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Rennbericht: Ironman WM Hawaii

Veröffentlicht: 15. November 2019 in NEWS

So lange habe ich noch nie gebraucht, einen Rennbericht zu schreiben. Es tut mir Leid, aber ich benötigte auch mal mental eine kleine Social-Media Auszeit. Nun bin ich aber soweit und hab’ es endlich geschafft, mein letztes Abenteuer – Hawaii – in Worte zu fassen.

Nachdem die Ironman 70.3 WM in Nizza wie erwartet nicht nach meinem Wunsch ausging, sah ich die Zeit danach auch locker und hab’ mir keinen Druck gemacht und war einfach nur dankbar, dass ich auch noch bei der WM in Hawaii dabei sein durfte. Ich reiste davor noch für 10 Tage nach Arizona um mich an die Hitze anzupassen und hab’ ehrlich gesagt noch besser trainiert, als ich es mir erwartet habe. Somit gab’s nochmals etwas an zusätzlichem Selbstvertrauen und ich freute mich auf mein abschließendes Saison Highlight der WM in Hawaii.

Als ich eine Woche vor dem Rennen am Flughafen in Kona aus dem Flieger stieg, war ich wie von der Insel in den Bann gezogen und fühlte mich einfach nur glücklich und dankbar auf der Insel sein zu dürfen.

Eine Woche vor der WM, gab es die Möglichkeit bei einem Trainings-Schwimmwettkampf über die originale Schwimmstrecke mitzumachen. Ich nutzte die Gelegenheit und hatte sehr viel Spaß mit all’ den zahlreichen Fischen und Schildkröten um mich herum und war auch sehr zufrieden mit meiner Leistung – welche mir nochmals mehr an Selbstvertrauen für den Ironman gab.

Am Renntag fühlte ich mich gut, freute mich und war einfach nur dankbar – ich kann es nicht oft genug sagen, mit all’ den Top-Athleten der Welt in Kona am Start stehen zu dürfen. Um 6:30 Uhr ging das große Abenteuer dann los und ich bemühte mich, gleich am Anfang eine Gruppe beim Schwimmen zu erwischen. Leider schaffte ich das nicht und war ziemlich alleine (zwar mit tausenden von Fischen) aber leider keinen schnellen Beine vor mir, im Meer unterwegs. Trotzdem kämpfte ich und freute mich, als ich den Pier erreichte und in die aufrechte Position konnte.

Auf dem Rad sah’ ich nach der ersten kleinen Schleife, welche ganz am Anfang zu fahren ist, dass die große Mädels-Truppe doch knapp 5 Minuten vor mir war und ich das nie gleich auffahren konnte alleine. Schon gar nicht bei einem Ironman. Ich hielt mich also zurück und versuchte – wie mit meinem Coach ausgemacht – mein „Ding“ zu machen und es easy anzugehen. Leider spürte ich auch in diesem Rennen wieder – dass, das Feuer und die Energie nicht so war, wie sie „normalerweise“ in mir brennt, wenn ich im Rennmodus bin. Trotzdem versuchte ich konzentriert zu bleiben und meinen „Plan“ zu befolgen. Kurz vor dem Wendepunkt in Hawi – nach 90km, sah ich, dass die Mädels vorne ordentlich schnell waren und schon einen ordentlichen Abstand zu mir hatten – ich lies mich nicht beirren und versuchte weiterhin, „mein Rennen“ zu machen und hoffte immer, dass die Energie in mir irgendwann noch kommt. Dem war leider nicht so und ich hatte sehr viel Kopfarbeit, bis ich endlich in der zweiten Wechselzone ankam.

Der „Alptraum“ ging dann weiter als ich aus den Radschuhen vom Rad runter auf den Teer vom Pier sprang, ging ich fast auf die Knie – solche Schmerzen hatte ich in meinen Vorfußgelenken (leider hatte ich das Problem schon länger, aber nie derart schlimm). Ich dachte mir nur: „Ohhh f““““, dass schaffe ich nie den ganzen Kilometer barfuß über den Pier zu meinem Wechselbeutel und zu meinen Laufschuhen!“ Irgendwie habe ich es dann doch geschafft und habe dem Marathon einen Versuch gegeben. Nach 2 km war ich dann im Kopf schon so weit und sagte zu mir: „So Bianca, das war jetzt dein letzter Ironman und dein erster, welchen du aufgibst!“ …. „Hmmm“, dachte ich mir, dass geht doch gar nicht – du kannst jetzt nicht über 10 Ironmans machen und den letzten „Aufgeben“ – schon gar nicht in Hawaii!“ „Also schau‘, dass du ins Ziel kommst!“ So startete dann mein langer, schmerzhafter Marathon. Ich sah, dass auch viele andere Profi-Athleten sehr litten, was es nicht unbedingt leichter machte. Schlussendlich kämpfte ich mich als 30igste Profidame ins Ziel. Aufgeben wäre die einfachste Option gewesen – aber das konnte ich nicht – und wenn ich kriechen musste. Was mich daher im Ziel dann auch nicht enttäuscht sein lassen hat – ich habe gekämpft und das Beste an diesem Tag aus mir herausgeholt. Ich bin stolz auf mich, wollte natürlich weiter vorne landen, aber mein Körper konnte einfach nicht mehr. Nachdem ich schon beide WM’s beinahe absagen wollte bin ich unglaublich dankbar, dass wir es trotzdem noch geschafft haben und über diese Ziellinie gekommen sind. Ich habe viel gelernt und es hat trotzdem unglaublich Spaß gemacht auf dieser magischen Insel zu sein. Jetzt ist es an der Zeit dem Körper alles zurückzugeben und die ein oder andere Rechnung zu begleichen, weil ich doch etwas überzogen habe. Aber ich gebe dem Körper die Zeit und lasse ihn zu 100% regenerieren – egal wie lange das geht! Denn einen Angriff in die neue Saison kann ich nur mit einem gesunden und erholten Körper starten.

Hiermit möchte ich mich auch nochmals so herzlich bei all’ meinen langjährigen Sponsoren und Unterstützern (allen von IBIY), Trainer und Freunden & Familie bedanken, die mit mir diesen unglaublich schönen und abenteuerlichen Weg gehen. Die erste Saisonhälfte war unglaublich und ich habe mich selbst übertroffen, wobei ich in der zweiten sehr kämpften musste. Leider konnte ich hier nicht die gewünschten Ziele erreichen, aber ich habe „gefightet“ und ich glaube, das ist es was zählt im Leben.

Eure,
Bianca